Ulmus

Aus Online-Flora von Österreich
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Ulmus — Ulme, Rüster

Bearbeitet von Wolfgang Willner


Etymologie: lat. ulmus (bei vielen lat. Schriftstellern; traditionell der Baum, an dem die Weinreben hochgezogen werden) = „Ulme“; zur ie. Wurzel *el-/ol- = „rot, braun“. – „Ulme“ wohl entlehnt aus dem lat. Namen. – „Rüster“: ahd. „ruost“, vielleicht zur ie. Wurzel *reudh/roudh/rudh = „rot“ zu stellen, wegen der rötlich­braunen Farbe des frisch geschlagenen Holzes?


Baum, bisweilen auch strauchförmig bleibend, laubwerfend; Winterknospen etwas versetzt über den Blatt-Ulen sitzend; LaubB 2-zeilig; ± kurz gestielt, Spreitengrund ± asymmetrisch, BRand einfach bis meist doppelt gesägt; Spreitengrund ± asymmetrisch; Blüstd: Knäuel od. (bei U. laevis) sitzende Dolde (eigentl. entsprechend gestauchter Thyrsus) [od. scheinbar traubig], [meist] vor dem Laubaustrieb blühend; PerigonB 3–8, miteinander ± weit verwachsen; StaubB gleichzählig mit den PerigonB, vor den Perigonzipfeln stehend, Staubbeutel purpurn; Frkn geflügelt; Fr: einsamige, ringsum häutig geflügelte Nuss. — Windbestäubung; Windausbreitung — x = 14 — ca. 25–30 Arten, holarktisch, temp.–bor.; in Eur. 3 Arten — österr. mda.: „Rusten“ — Schneider (1916), Walter (1931), Endtmann (1967), Richens (1976, 1980, 1983), Browicz & Zielinski (1977, 1982), Mackenthun (2003).


Anm.: Die heimischen Ulmen-Arten, insbesondere U. minor, sind durch das sogenannte „Ulmensterben“ bedroht. Dieses wird durch die parasitischen Schlauchpilze Ophiostoma (= Ceratocystis) ulmi u. O. novo-ulmi verursacht, welche durch den Ulmensplintkäfer (Gattung Scolytus) übertragen werden. Die Pilze breiten sich in den Wasserleitungsbahnen (Tracheen) aus, verstopfen diese u. führen so schließlich zum Tod des Baumes.


Achtung.png Techn. Hinweis 1: Form, Größe u. Behaarung der LaubB können bisweilen innerhalb eines Individuums stark variieren, je nach dessen Alter u. der Lage der LaubB (Langtrieb, Kurztrieb, Wasserreis, Schössling ...). Zum Bestimmen sollten womöglich LaubB aus dem Kronenbereich, bevorzugt die oberen LaubB von Kurztrieben, verwendet werden. (Beim Sammeln daher unbedingt zu notieren: Baum od. Strauch? Lang- od. Kurztrieb? Wasserreiser? Wurzelschössling?).

Achtung.png Techn. Hinweis 2: Die Länge des LaubBStiels wird von der Achsel bis zum Ansatz der längeren Spreitenhälfte gemessen, die Länge der Spreite von diesem bis zur Blattspitze (das Stück zwischen den beiden Ansätzen der Spreitenhälften zählt also bereits zur Spreite!);(die Längen des LaubBStiels u. der Spreite ergeben in Summe die LaubBLänge). – Die Maße beziehen sich jeweils auf die oberen LaubB eines Jahrestriebes (die unteren sind meist unterentwickelt)!


Gattungsgliederung

sect. Blepharocarpus
Blüten u. Fr lang gestielt, Fr bewimpert.

sect. Ulmus (= sect. Madocarpus)
Blüten u. Fr fast sitzend; Fr nicht bewimpert.


Schlüssel der Arten

1 Pf zum Zeitpunkt der Bestimmung ohne Blüten od. Fr, jedoch mit voll entwickelten LaubB.
2
 
Pf zum Zeitpunkt der Bestimmung ohne voll entwickelte LaubB, jedoch blühend, fruchtend od. in Winterruhe.
4


2 LaubBSpreite unterseits flaumhaarig (mit weichen, ± geschlängelten Haaren).
3
 
LaubBSpreite unterseits in den Nervenwinkeln bärtig, sonst kahl od. locker bis dicht borstenhaarig.
5


3 Haupt-LaubBZähne auffällig zur Spitze hin gekrümmt (Abb. 1); sitzende rötliche Drüsen (s. u.) fehlend; Winterknospen kegelförmig u. sehr spitz, im Ø deutlich seitlich zusammengedrückt, Knospenschuppen hellbraun mit ca. 1 mm br, dunkelbraunem Rand.
15–35 m hoher Baum; Stamm fast stets mit Wasserreisern, am Grund oft deutlich zerklüftet („Brettwurzeln“); Wurzelschösslinge selten vorhanden; Borke schwach längsrissig, sich jedoch in Schuppen ablösend; Äste oft bis ins 3. Jahr behaart, Korkleisten stets fehlend; Knospenschuppen kahl bis rostbraun behaart; LaubBStiel (4–)5–10 mm lg; Spreite 5–12(–15) cm lg, elliptisch, zugespitzt, doppelt gesägt, am Grund oft stark asymmetrisch; längere Spreitenhälfte den BStiel niemals öhrchenartig überdeckend; mittlere Seitennerven meist (?) nicht gegabelt; Spreite oberseits kahl od. durch sehr kurze Borsten rau, slt locker borstenhaarig; Perigon meist rostbraun bewimpert; Narben weiß; Fr 10–15 mm lg, Same etwa in der Mitte der FlügelFr liegend.
U. laevis
 
Haupt-LaubBZähne nicht zur Spitze hin gekrümmt; LaubBStiel, NebenB u. Blattadern (bes. auf der Spreitenunterseite) ± dicht mit sitzenden (gelblichen bis) rötlichen Drüsen besetzt (starke Lupe!); Winterknospen spitz-eiförmig, im Ø rundlich bis schwach seitlich zusammengedrückt, Knospenschuppen einheitlich schwarzbraun, nur an der – meist überdeckten – Basis heller.
Mittlere Seitennerven der LaubB meist (?) gegabelt; (Weitere MerkmalePkt 5!–!)
U. minor
Anm.: Zum taxonomischen Status dieser U. minor-Populationen mit flaumig behaarter Spreitenunterseite vgl. die Erläuterungen →hier.


4 (1) Blüten u. Fr lg gestielt (BlüStiele 5–20 mm lg, FrStiele (10–)20–40 mm lg), hängend; Perigonzipfel u. StaubB je (5–)6–8; Fr zottig bewimpert (Abb. 5); Winterknospen kegelförmig u. sehr spitz, deutlich im Ø seitlich zusammengedrückt, Knospenschuppen hellbraun mit ca. 1 mm br, dunkelbraunem Rand.
(Weitere MerkmalePkt 3).
U. laevis
 
Blüten u. Fr fast sitzend (Stiel höchstens 2 mm lg); Perigonzipfel u. StaubB je (3–)4–5(–6); Fr nicht bewimpert; Winterknospen spitz-eiförmig, im Ø rundlich bis schwach seitlich zusammengedrückt, Knospenschuppen einheitlich schwarzbraun, nur an der (meist überdeckten) Basis heller.
5


5 (2) Fr (15–)20–30(–35) mm lg, Samen in od. seltener etwas unterhalb der Mitte der FlügelFr liegend (Abb. 5); LaubBSpreite oberseits ± dicht mit ca. 0,5–1 mm lg, an der Basis verdickten, aufrecht-abstehenden Borstenhaaren besetzt; BStiel (1–)2–5(–6) mm lg, längere Spreitenhälfte den BStiel oft öhrchenartig überlappend [mehrere LaubB untersuchen!]; sitzende rötliche Drüsen [s. u.] fehlend; Knospenschuppen rostbraun behaart, kaum verkahlend.
Baum, bis 40 m hoch; Borke lange glatt bleibend (u. dann ± „hainbuchen-artig“), später längsrissig; Stamm selten mit Wasserreisern; Wurzelschösslinge fehlend; junge Äste grünlich bis rotbraun, nicht glänzend, locker bis dicht behaart; Korkleisten stets fehlend; LaubBSpreite (5–)7–15(–18) cm lg, elliptisch bis verkehrt-eiförmig (wenigstens die der größeren LaubB mehrheitlich über der Mitte am breitesten), meist deutlich zugespitzt, vorn oft mit 2(–4) seitlichen bespitzten Lappen (Abb. 2), unterseits ± dicht borstenhaarig; BRand doppelt gesägt, vordere Hauptzähne oft etwas zur Spitze hin gekrümmt; LaubBStiel kraushaarig; Perigon rostbraun bewimpert; Narben purpurn.
U. glabra
 
!–! Fr 10–15(–20) mm lg, Samen oberhalb der Mitte der FlügelFr liegend (Abb. 5); LaubBSpreite oberseits kahl od. (bes. an SchattenB, Wasserreisern u. Wurzelschösslingen) locker (sehr slt auch ± dicht) mit Borstenhaaren besetzt, aber auch dann Haare höchstens ca. 0,5(–0,7) mm lg u. wenig abstehend; BStiel (3–)5–10(–15) mm lg, längere Spreitenhälfte den BStiel nicht öhrchenartig überlappend (mehrere LaubB untersuchen!); Blattadernetz (bes. an der Spreitenunterseite), BStiel, NebenB u. Fr ± dicht mit sitzenden (gelblichen bis) rötlichen Drüsen besetzt (starke Lupe!); Knospenschuppen meist weißhaarig, vorn bald verkahlend.
Baum od. Strauch, 2–30 m hoch; Borke früh längsrissig; Stamm meist mit Wasserreisern; Wurzelschösslinge oft vorhanden; junge Äste meist glänzend rotbraun, kahl od. seltener ± dicht behaart, v. a. an strauchförmigen Individuen oft mit 5 ca. ½–1 cm br Korkleisten; LaubBSpreite (2–)4–8(–12) cm lg, elliptisch (slt an einigen LaubB über der Mitte am breitesten), nicht od. nur undeutlich zugespitzt, niemals lappig (Abb. 3), unterseits in den Aderwinkeln bärtig, sonst kahl bis locker- bis (slt dicht?) borstenhaarig, slt ± flaumhaarig; BRand (fast) einfach- bis doppelt-gesägt, Hauptzähne nicht zur Spitze hin gekrümmt; BStiel kahl bis dicht (flaum-)kraushaarig; Perigon meist weiß bewimpert; Narben weiß bis purpurn.
U. minor

 

Pf in allen Merkmalen od. in deren Summe zwischen den beiden genannten Arten stehend.
Spreite (5?–)8–15 cm lg, oft auffallend grob gesägt u. in der Mitte am breitesten (Abb. 4), unterseits locker bis dicht borstenhaarig (sehr slt auch ± flaumhaarig?), meist mit sitzenden Drüsen besetzt (bisweilen Drüsen jedoch farblos bleibend od. fehlend); LaubBStiel (3?–)5–8(–10?) mm lg.
U. ×hollandica


Häufigere Hybriden

U. glabra × U. minor = U. ×hollandica (siehe Pkt 5– im Schlüssel)


Ulmus
Ulmus-glabra.jpg
Systematik
Familie: Ulmaceae
Unterfamilie: Ulmoideae

Nomenklatur & Synonymie

Abbildungen:
Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5





Meine Werkzeuge