Thesium

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Thesium — Leinblatt

Bearbeitet von Walter Gutermann und Manfred A. Fischer


Weitere deutsche Namen: (österr.:) Bergflachs, (dtld.:) Vermeinkraut.


Etymologie: Thesium (Betonung auf dem i): lat. thesium (Plinius 21.107) ← agr. θησειον / thēseion (Theophr. Hist. Pl. 7.12.3): Name einer nicht bestimmbaren Zwiebel- oder Knollenpflanze; von Linnaeus willkürlich auf diese Gattung übertragen, um den Namen – trotz der unbekannten ursprünglichen Bedeutung – zu erhalten (Linnaeus 1751: Philos. Bot. 175). – Leinblatt, Bergflachs: wegen der Ähnlichkeit der linealischen, ganzrandigen LaubB mit denen von Linum usitatissimum. Wegen der ähnlichen LaubBGestalt volkstümlich oft mit Linaria (Leinkraut) verwechselt. – Vermeinkraut: ehemalige volkstümliche Verwendung gegen das „Vermainen“ (= Behexen, Beschreien), vgl. die Namen „Beschreikraut“ u. „Berufkraut“ für ganz verschiedene Taxa.


[Halbstrauch od.] einjährige bis ausdauernde, sommergrüne, kahle Krautige mit meist schmächtiger Pfahlwurzel; Seitenwurzeln mit Haustorien: nicht-wirtsspezifischer Halbparasit; meist 5–30 unverzweigte (nur bei Th. ramosum oft verzweigte) Blühsprosse; StgGrund mit wenigen bis zahlreichen (dann dichtstehenden) 1–3 mm lg bleichen schuppenartigen NiederB; LaubB wechselständig, (20–)30–40(–50) mm lg, meist schmal-linealisch bis schmal-lineal-lanz., sitzend, ganzrandig; Blüstd: Thyrsus od. zur Traube vereinfacht, (15–)20–30-blütig, in der Regel kahl, slt schwach bis deutlich papillös; Blüte u. Frucht kurz gestielt (vgl. Techn. Hinweis); DeckB mit dem BlüStiel hfg bis zu den 2 (nur bei Th. ebracteatum u. Th. rostratum fehlenden) VorB unter der Blüte (rekauleszent) verwachsen (vgl. Techn. Hinweis); Perigon 5(–4)-zählig; Perigonzipfel länglich bis 3-eckig bis breit-eiförmig, manchmal ± 3-lappig (mit je einem seitlichen Zahn); StaubB 5 (slt 4); Frkn unterständig; Fr meist trocken (nussartig; Ausnahme: bei Th. rostratum beerenartig saftig), vom vertrockneten Perigon gekrönt; FrStiel bei Th. alpinum zu fleischigem Elaiosom umgebildet. — #Bestäubung#; #Ausbreitung# — x = # — ca. 325 Arten (inkl. subg. Friesea: Afrika; subg. Chrysothesium: Asien), Alte Welt, Australien; in Eur. nur sect. Thesium mit ca. 25 Arten — Hendrych (1962, 1968, 1972).


Anm.: Mit Ausnahme der einjährigen Morphodeme von Th. dollineri sind alle einheimischen Arten Pleiokormstauden, deren ± aufrechte Grundachse vom ± erstarkten Hypokotyl gebildet wird, an dessen oberem Ende die Erneuerungsknospen für die jährlichen Blühsprosse gebildet werden, die bis zum Grund absterben. Aus dem Hypokotyl entspringen bei Th. linophyllon und Th. ebracteatum auch die sich verzweigenden und bewurzelnden, rhizomartigen Ausläufer.


Achtung.png Techn. Hinweis: Mit „DeckB“ ist der freie Teil des DeckB gemeint (ohne den – theoretischen, nicht sichtbaren – mit dem Blütenstiel verwachsenen unteren Teil). – Mit „Blütenstiel“ u. „FrStiel“ ist der Stiel oberhalb des Wirtels aus DeckB u.VorB gemeint. – Bei der Messung der Länge der Perigonröhre ist darauf zu achten, nicht auch den Frkn mitzumessen.


Gattungsgliederung

(nach Hendrych 1972, vermutl. revisionsbedürftig)

Alle heimischen Arten gehören zur sect. Thesium.

ser. Linophyllon: Th. bavarum, Th. linophyllon

ser. Ramosa: Th. ramosum

ser. Pannonica: Th. dollineri

ser. Repentes (= ser. Ebracteata): Th. ebracteatum, Th. rostratum

ser. Saxatilia (= ser. Pratensia): Th. pyrenaicum

ser. Thesium (= ser. Alpina): Th. alpinum


Schlüssel der Arten

1 Unter den Blüten nur je 1 DeckB, VorB fehlend; Blüstd (zur FrZeit deutlich) mit mehreren (ca. 5–10) blütenlosen DeckB endend (damit einen blütenlosen Blattschopf bildend).
Blüstd mit 1-blütigen Zweigen (die Blüten- u. Fr-Stiele entsprechen daher den Blüstd-Ästen); Blüten duftlos; Perigonzipfel meist 5; StaubB 5.
2
 
Unter den Blüten je 1 DeckB sowie 2 VorB vorhanden; Blüstd bis zur Spitze mit Blüten.
Blüstd mit 1- bis 3-blütigen Zweigen.
3


2 Grundachsen schlank (ca. 1 mm dick), nicht holzig, mit unterirdischen Ausläufern: Wuchs daher locker rasig; FrStiele ca. 2 mm lg; Fr ca. 2,0–2,5 mm lg, ledrig, grün, deutlich nervig, mindestens so lang wie die ± (Ohwell.png) stark eingeschrumpften PerigonB (→ Abb. 9a).
Blühsprosse (10–)20–30 cm lg; StgGrund mit nur wenigen, lockerstehenden NiederBSchuppen; LaubB linealisch, (1,0–)1,5–2,5(–3,0) mm br, schwach 3-nervig; Blütenstiele 0,5–1× so lang wie ihre DeckB; Perigon breit-glockig, 2,5–3,5 mm lg; FrStiele weit- bis fast waagrecht-abstehend, leicht aufwärts-bogig; Fr ovoid bis ellipsoid.
Th. ebracteatum
 
Grundachse (Pleiokorm) kräftig, ± verholzt (4–8 mm dick), ohne Ausläufer: Wuchs daher buschig; Fr sitzend, ca. 2,5–3,5 mm lg, br-ellipsoid, frisch beerenartig saftig, blassgelb, nervenlos, getrocknet längsnervig (kaum netzig), kürzer (⅔–½× so lg) als die nur an der Spitze (Zipfelenden) eingerollten PerigonB (→ Abb. 9b).
Blühsprosse 20–30 cm lg; StgGrund mit etlichen dichtstehenden NiederBSchuppen; LaubB schmal-linealisch, ca. 1,0–1,5(–2,0) mm br, 1-nervig; Blütenstiele etwa so lang wie ihre DeckB; Perigon röhrig, 3–6 mm lg; FrStiele aufrecht- bis weit-abstehend; Fr ellipsoid bis fast kugelig.
Th. rostratum


3 (1) Fr höchstens so lang wie die nur an den Spitzen (Zipfelenden) eingerollten PerigonB (→ Abb. 9c–d).
Ohne Ausläufer: Wuchs daher buschig; StgGrund mit nur wenigen, lockerstehenden schuppenförmigen NiederB; Grundachse (Pleiokorm) holzig, kurz; Blüstd-Äste ≈ 0,3–1,5× so lang wie die DeckB; Perigonzipfel br-eiförmig, oft ± 3-lappig.
4
 
Fr mehrfach so lang wie die zu einem Knopf eingeschrumpften PerigonB (→ Abb. 9e–h).
Blüten duftlos; Perigonzipfel meist 5; StaubB 5.
5


4 Perigon röhrig-trichterig, (3)4(5)-zipfelig, StaubB (3)4(5); Perigonröhre an der Fr ≈ 1,5× so lang wie der Saum; Blüten duftlos; Fr ± kugelig, an ± aufrecht abstehenden Ästen, deutlich längs- u. ± netznervig (→ Abb. 9c).
Blühsprosse 10–25(–30) cm lg; LaubB schmal-linealisch, 0,7–2 mm br, 1-nervig; Blüstd oft ± einseitswendig, die obersten Blü nicht slt 5-zählig; Perigon 2–3 mm, an der Fr 3–4 mm lg; FrStiel ≈ 1 mm lg, fleischig-saftig; Fr 2–2,5 mm lg.
Th. alpinum
 
Perigon kurz röhrig-glockig, meist überwiegend 5-zipfelig, Perigonröhre an der Fr ½–1× so lang wie der Saum; Blüten süß duftend; Fr ± ellipsoid, an ± waagrecht abstehenden Ästen, längsnervig (→ Abb. 9d).
Blühsprosse 10–45 cm lg; LaubB linealisch bis lineal-lanz., (0,5–)1–2,5 mm br, schwach 3-nervig; FrStiel 1–2 mm lg, nicht fleischig; Fr 1,5–2 mm lg.
Th. pyrenaicum


5 (3) Grundachse mit unterirdischen Ausläufern: Wuchs daher lockerrasig.
Blühsprosse (10–)15–30 cm lg; Grundachse nicht holzig; Stg meist 1–1,5(–2) mm Ø, am Grund mit wenigen, entfernt stehenden schuppenförmigen NiederB; LaubB schmal-lineal-lanz., 1–2,5(–3) mm br, 1–3(–5)-nervig; Blüstd-Äste ≈ so lang wie ihre DeckB; Perigon glockig, 1,5–2 mm lg; FrÄste aufrecht-abstehend; FrStiel 0–1 mm lg; Fr 2–3,5 mm lg, ellipsoid bis ovoid-ellipsoid, schwach nervig (→ Abb. 9e).
Th. linophyllon
Achtung.png Verwechslungsmöglichkeit: Dichter rasige u. höherwüchsige Individuen sollten nicht mit Th. bavarum (→ Pkt 6) verwechselt werden. Die beiden Arten unterscheiden sich verlässlich in der Wuchsform.
 
Grundachse ohne Ausläufer: Wuchs daher buschig.
6


6 LaubB schmallanzettlich, die größten (3–)5–8 mm br, deutlich 3(–5)-nervig; Pleiokorm sehr kräftig (≈ 4–6 mm dick), deutlich verholzt; Blühsprosse (20–)30–60(–80) cm lg; auch der Endabschnitt des Blüstd mit 3-blütigen Zweigen.
Blühsprosse (20–)30–60(80) cm lg; Stg meist 2–3(–4) mm Ø, am Grund mit zahlreichen, dichtstehenden, zT ziegeldachig angeordneten schuppenförmigen NiederB; Blüstd-Äste ≈ 1–3× so lang wie ihre DeckB; FrÄste weit- bis oft fast waagrecht-abstehend; Perigon glockig, 3–4 mm lg; FrStiel 1–2(–3?) mm lg; Fr 2–3,5(–4?) mm lg, ellipsoid-kugelig, netzig-nervig (→ Abb. 9f).
Th. bavarum
 
LaubB schmallinealisch, höchstens 2 mm br, 1-(bis höchstens undeutlich 3-)nervig; Grundachse schlank bis mäßig verdickt (1–2 mm Ø), nicht verholzt; Blühsprosse (5–)15–30(–50) cm lg; der Endabschnitt des Blüstd mit nur 1-blütigen Zweigen.
StgGrund mit nur wenigen schuppenförmigen NiederB; FrÄste ± aufrecht-abstehend.
7


7 Blüstd-Äste meist mindestens so lang wie ihre DeckB, mehrfach so lang wie die Fr; Fr undeutlich nervig.
Blühsprosse (10–)15–25(–30) cm lg, in der Mitte oft verzweigt; Blüstd meist fein papillös (Rand der Deck- u. VorB. Blütenstiele; Lupe!); LaubB 1–2 mm br; Perigon kaum 1 mm lg; Fr sitzend, ellipsoid, 3,5–4 mm lg (→ Abb. 9h).
Th. ramosum
 
Blüstd-Äste 0,15–0,5× so lang wie ihre DeckB, 1–2× so lg wie die Fr; Fr deutlich netznervig.
Blühsprosse (5–)15–25 cm lg, unverzweigt; Blüstd meist kahl (Lupe!); LaubB 0,7–1,2(–1,5) mm br; Perigon trichterig, ≈ 2 mm lg; Fr fast sitzend, ellipsoid, 2–3 mm lg (→ Abb. 9g).
Th. dollineri



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