Populus

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Inhaltsverzeichnis

Populus — Pappel

Bearbeitet von Berthold Heinze, unter Mitarbeit von Wolfgang Willner


Etymologie: Populus: lat. populus: Pappel; davon auch der deutsche Name.


Raschwüchsige Bäume; Winterknospen mehrschuppig; Blüstd (Kätzchen) im entfalteten Zustand stets herabhängend; DeckB zerschlitzt od. gezähnt; Pf vor der Belaubung blühend; Blüten am Grund mit einem becherförmigen Organ („Diskus“); StaubB (3–)8–30[–110]. — Windbestäubung; Windausbreitung — x = 19 — ca. 100 Arten, subkosmopol., v.a. nordhem.-temp.; in Eur. 3 Arten — forstlich genutzt (Holz für Kisten, Paletten, Zelluloseindustrie u. a.) — „Alber“ — MEIKLE (1984), MÜLLER R. (1974), ECKENWALDER (1996), KOLTZENBURG (1999).


Tax. Anm.: Die Taxonomie der Gattung Populus wird erschwert durch deren starke Tendenz zur vegetativen Vermehrung (Wurzelbrut, Steckhölzer), wodurch einerseits aus einer einzelnen Pflanze ganze (genetisch einheitliche) Bestände hervorgehen können, andererseits einzelne Klone (Genotypen) durch den Menschen sogar weltweite Verbreitung finden. Es gibt zahlreiche natürliche und vom Menschen gezüchtete Hybriden, meist innerhalb der Sektionen.


Achtung.png Techn. Hinweise: Heterophyllie beachten: Die in den Winterknospen vorgeformten LaubB an den Kurztrieben (und an der Basis der Langtriebe) (= „KurztriebB“) unterscheiden sich meist deutlich von den aus freiem Wachstum während der Vegetationsperiode gebildeten LaubB im vorderen Teil der Langtriebe (= „LangtriebB“). Beschattete LaubB sind generell weniger gut zur Bestimmung geeignet als voll besonnte. Dies macht vor allem den Vergleich von Jungpflanzen mit ausgewachsenen Bäumen schwierig. Nach Möglichkeit sollten immer mehrere Pflanzen einer Population zur Bestimmung herangezogen werden, um beurteilen zu können, ob es sich um Individuen eines Klons handelt (z.B. aus Wurzelbrut oder Pflanzung) oder um eine aus Sämlingen hervorgegangene Population (Geschlecht und Variationsbreite der Merkmale beachten!). Für die Bestimmung einzelner Klone, selten gepflanzter Arten und spezieller Hybriden muss auf die Spezialliteratur verwiesen werden.


Gattungsgliederung

sect. Populus (= sect. Leuce) („Aspen“ i. w. S.)
Borke lange glatt bleibend; Winterknospen klein, eif., nicht klebrig; LaubBSpreite am Rand nicht durchscheinend; Diskus oben schief abgeschnitten.

sect. Aigeiros (Schwarz-Pappeln i. w. S.)
Borke bald rissig; Winterknospen groß, spitzkegelig, klebrig; LaubBSpreite am Rand durchscheinend; Diskus oben gerade abgeschnitten.

[sect. Tacamahaca] (Balsam-Pappeln i. w. S.)
Borke bald rissig; Winterknospen groß, spitzkegelig, stark klebrig, aromatisch duftend; LaubBSpreite am Rand nicht durchscheinend; Diskus oben gerade abgeschnitten.

  • [P. balsamifera]
  • [P. simonii]


Schlüssel der Arten

1 KurztriebB eiförmig-elliptisch bis fast kreisrund, nicht zugespitzt, grob lappig-buchtig bis buchtig-gezähnt, am Rand nicht durchscheinend; mit relativ steil ansteigendem Abgangswinkel der Seitenadern Ohwell.png ; Borke lange glatt bleibend (erst im Alter rissig), weiß bis grünlich od. gelblich; Winterknospen nicht klebrig, verschiedengestaltig (Laubknospen spitz-eiförmig bis spitz-kegelig, Blütenknospen kugelig), Endknospen meist kürzer als 10 mm; DeckB ± zottig bewimpert (auf der Fläche kahl); Diskus vorn schief abgeschnitten.
LaubBSpreite unterseits filzig behaart bis kahl, niemals bewimpert; junge Zweigachsen stielrund, weißfilzig od. kahl u. dann dunkelbraun.
2
 
KurztriebB dreieckig-eiförmig bis rhombisch, meist lang zugespitzt, ± fein gekerbt-gesägt, am Rand schmal, aber deutlich durchscheinend; mit weniger steil ansteigendem Abgangswinkel der Seitenadern Ohwell.png ; Borke früh rissig; Winterknospen klebrig, gleichgestaltig, Endknospen meist länger als 10 mm; DeckB fransig zerschlitzt, aber nicht bewimpert, kahl; Diskus vorn gerade abgeschnitten.
LaubBSpreite beiderseits stets kahl, aber bisweilen bewimpert; junge Zweigachsen ± stielrund od. von schmalen Korkrippen kantig, meist kahl, gelblich.
3



2 LangtriebB handförmig 3- bis 5-lappig, unterseits bleibend dicht weißfilzig; junge Zweigachsen weißfilzig; Laubknospen spitz-eiförmig, weißfilzig; DeckB schwach u. unregelmäßig gezähnt bis fast ganzrandig.
15–30 m hoher Baum; oft Wurzelsprosse bildend; Baumkrone anfangs rund, später sich ± auflösend; Stamm meist nicht besonders gerade, sondern ± gebogen od. gewunden; junge Borke weiß bis weißlich-grau bis grünlich-weiß, im Alter (an der Stammbasis) tief gefurcht, schwarz; LaubBStiel 1–6(–7) cm lg, unten stielrund, oben schwach senkrecht abgeflacht; Spreite der LangtriebB 6–12(–14) cm lg u. (3–)5–10(–18) cm br, grob buchtig-gezähnt, am Grund herzförmig bis gestutzt, ohne Drüsen am Stielansatz; oberseits dunkelgrün, anfangs filzig behaart, rasch verkahlend; Spreite der KurztriebB 4–8 cm lg u. 2–7 cm br, eiförmig bis rundlich bis elliptisch, grob lappig-buchtig, am Grund schwach herzförmig bis verschmälert; oberseits dunkelgrün, kahl; unterseits graufilzig, meist verkahlend; ♂ Kätzchen 3–7 cm lg; StaubB (3–)6–10; Narben 2, sitzend, fruchtende Kätzchen 5–10 cm lg, Fr sich mit 2 Klappen öffnend.
P. alba
 
!–! LangtriebB dreieckig bis eiförmig (nur schwach lappig), unterseits graufilzig, verkahlend; junge Zweigachsen anfangs manchmal behaart, später kahl; Laubknospen spitz-eiförmig bis schlank spitz-kegelig, meist fast kahl; DeckB handförmig zerschlitzt.
15–30(–35?) m hoher Baum; oft Wurzelsprosse bildend; Baumkrone meist rund; Stamm meist ± gerade (aber sich nach dem Licht wendend); junge Borke grünlich-weiß bis grünlich-grau, im Alter (an der Stammbasis) tief gefurcht, grau; LaubBStiel 1–4(–7,5) cm lg, meist schwach senkrecht abgeflacht; Spreite der LangtriebB 5–8(–12) cm lg u. 3–5(–7) cm br, entfernt u. unregelmäßig grob buchtig-gezähnt, am Grund schwach herzförmig bis verschmälert, oft mit 2 Drüsen am Stielansatz; oberseits dunkelgrün, anfangs zstr behaart, später kahl; Spreite der KurztriebB (3–)4–8 cm lg u. 3–6 cm br, rundlich bis eiförmig, grob lappig-buchtig, am Grund abgerundet bis verschmälert; oberseits dunkelgrün, kahl; unterseits anfangs schwach graufilzig, bald verkahlend; ♂ Kätzchen (3–)6–10 cm lg; StaubB (?4–)8–15; Narben 2, sitzend; fruchtende Kätzchen 5–10 cm lg, Fr sich mit 2 Klappen öffnend; zumindest teilweise keimfähig.
P. ×canescens

 

LangtriebB rundlich bis breit-eiförmig, ungeteilt, gespitzt, unterseits kahl; junge Zweigachsen kahl; Laubknospen schlank spitz-kegelig, kahl; DeckB handförmig zerschlitzt.
10–20(–30?) m hoher Baum; oft Wurzelsprosse bildend; breitkronig (wenn frei stehend); Stamm meist ± gerade (aber sich nach dem Licht wendend); junge Borke grünlich-grau bis gelblich, im Alter (an der Stammbasis) gefurcht, schwarzgrau; LaubBStiel 3–7 cm lg (etwa gleich lang wie Spreite), senkrecht abgeflacht; Spreite der LangtriebB 5–8(–15) cm lg u. 4–6 cm br, stumpf gezähnt, am Grund gestutzt bis schwach herzförmig, oft mit 2 Drüsen am Stielansatz; oberseits grün, kahl; Spreite der KurztriebB 3–6(–8) cm lg u. 2,5–7 cm br, ± kreisrund, grob buchtig-gezähnt, am Grund abgerundet; beiderseits kahl; ♂ Kätzchen 5–8 cm lg; StaubB (4–)5–15; Narben 2, sitzend; fruchtende Kätzchen 5–12 cm lg, Fr sich mit 2 Klappen öffnend.
P. tremula



3 (1) Stamm im Alter meist durch seitliche Ausschläge stark wulstig; junge Zweigachsen ± stielrund, mit rundlichen Lentizellen; LaubBSpreiten am Stielansatz ohne Drüsen; Spreitenrand kahl; Fr sich mit 2 Klappen öffnend.
15–30 m hoher Baum, meist breitkronig mit weit ausladenden, bogigen Hauptästen; Stamm meist ± gerade, aber sich bald in Äste auflösend, bisweilen mit Brettwurzeln; Borke an der Basis alter Bäume tiefrissig mit charakteristischem, X-förmigem Muster, bräunlich-grau (→ Abb. 1); LaubBStiel 2–6 cm lg (gleich lang od. länger als die Spreite), senkrecht abgeflacht; Spreite der LangtriebB 5–12 cm lg u. 4–8 cm br, eiförmig-dreieckig bis rhombisch, lang zugespitzt, fein gekerbt-gesägt, am Grund gestutzt bis verschmälert; Spreite der KurztriebB 4–7 cm lg u. 3,5–5,5 cm br, meist rhombisch, zugespitzt, am Grund verschmälert; ♂ Kätzchen 4–6(–8) cm lg; StaubB 20–30; Narben 2, sitzend; fruchtende Kätzchen 10–15 cm lg.
P. nigra
 
Stamm nicht wulstig; junge Zweigachsen von schmalen Korkrippen ± kantig, mit länglichen Lentizellen; LaubBSpreiten am Stielansatz meist mit 1–2 Drüsen; Spreitenrand zumindest anfangs locker bewimpert; Fr sich mit (2–)3 Klappen öffnend.
15–35 m hoher Baum; meist mit durchgehendem, ± geradem Stamm, stets ohne Brettwurzeln; Borke ± früh ausgebildet, gefurcht, schwärzlich-grau (→ Abb. 1); LaubBStiel 2–10 cm lg, senkrecht abgeflacht; Spreite der LangtriebB 8–12 cm lg u. 6–10 cm br, dreieckig bis herzförmig, lang zugespitzt, gekerbt-gesägt (etwas gröber als bei P. nigra ), am Grund abgerundet bis schwach herzförmig; Spreite der KurztriebB jener der LangtriebB gleichend?; ♂ Kätzchen 5–8(–15?) cm lg; StaubB 15–25; Narben 3–4, sehr kurz gestielt; fruchtende Kätzchen 5–20 cm lg; teilweise keimfähig.
P. ×canadensis


Weitere in Österreich kultivierte Sippen

P. deltoides — Virginia-P. , Amerikanische Schwarz-P. — 15–30 m hoher Baum; ähnlich P. nigra , jedoch: junge Zweigachsen kantig; LaubBStiel 5–10 cm lg; Spreite der LangtriebB (8–)10–18 cm lg u. 6–10(–12) cm br, am Grund mit 2–3 Drüsen, zumindest anfangs ± dicht bewimpert; StaubB 30–60; Narben 2–4, gestielt; Fr sich mit 3–4 Klappen öffnend. — Östl. N-Am.

P. balsamifera (P. tacamahaca) — Echte Balsam-P. — 10–30 m hoher Baum; junge Zweigachsen stielrund bis schwach kantig, meist kahl, braunrot, glänzend; Winterknospen groß u. spitz, kahl, stark klebrig, mit gelblichem, balsamisch duftendem Harz; LaubBStiel 3–9 cm lg, ± stielrund (oberseits gefurcht?); Spreite 5–12(–16) cm lg u. 3–8 cm br, breit-eiförmig, zugespitzt, gekerbt-gesägt, am Grund herzförmig bis verschmälert, am Rand nicht durchscheinend, oberseits kahl, unterseits weißlich, locker behaart bis kahl, ± fein bewimpert. — Nördl. N-Am. — als Zierbaum u. ArzPf kult., slt verwildert (aus Wurzelbrut) (N, St) — VArzPf (Harz der Winterknospen: „Balsam“) — „Balsambaum“.

Tax. Anm.: Die Westliche Balsam-P. (P. balsamifera subsp. trichocarpa) wird oft als eigene Art P. trichocarpa geführt; sie unterscheidet sich durch etwas kantige Triebe, die nicht völlig gerade sind, sondern oft einen leichten Winkel zwischen den Internodien aufweisen („Zick-zack-Muster“).

P. simonii Simon-P. — 10–15 m hoher Baum; junge Zweigachsen kantig, schmal geflügelt, meist kahl; Winterknospen groß u. spitz, kahl, klebrig, aber kaum duftenden; LaubBStiel 0,5–2(–3) cm lg, ± stielrund (gefurcht?); Spreite 4–8(–12) cm lg u. 2–5(–8) cm br, rhombisch bis elliptisch-eiförmig, zugespitzt, gekerbt-gesägt, am Grund meist verschmälert, am Rand nicht durchscheinend, oberseits kahl, unterseits weißlich, fast kahl (mit winzigen, ca. 0,1 mm lg Drüsenhaaren?), nicht bewimpert. — N-China.


Populus
Populus.jpg
Systematik
Familie: Salicaceae

Nomenklatur & Synonymie







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