Diphasiastrum

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Diphasiastrum — Flachbärlapp

Bearbeitet von Karsten Horn & Andreas Tribsch


Etymologie: D.: von gr. dis: zweimal u. phásis: Anblick, Erscheinung, Habitus; wegen der flachen, zweireihig beblätterten Sprosse; -astrum von gr. ##; wegen der Ähnlichkeit mit der Gattung Diphasium. – F.: wegen der abgeflachten Sprosse.


Terrestrische Stauden; Hauptspross oberirdisch od. unterirdisch kriechend, mit adventiver Bewurzelung, anisotom verzweigt; isophyll od. anisophyll beblättert; aufrechte Triebe fertil od. steril; LaubB gegenständig, daher in 4 Reihen angeordnet (Ventral-, Dorsal- u. Lateralblätter; Abb. 1), ± schuppenförmig; Sporophylle von den LaubB meist stark verschieden, in deutlich abgesetzten Sporophyllständen, nach der Sporenreife trockenhäutig u. abfallend; Sporen rundlich bis schwach tetraedrisch, Oberfläche netzartig; Prothallium unterirdisch u. mykotroph, langlebig. — x = 23 — ca. 20 – 25 Arten, fast weltweit; in Eur. 6(–7?) Arten — HOLUB (1975a, b), HORN (1997).


Tax. Anm.: Wegen der beträchtlichen morphologischen Plastizität gelten die Arten der Gattung Diphasiastrum als taxonomisch kritisch und schwierig bestimmbar. Erschwerend kommt hinzu, dass es neben drei recht gut unterscheidbaren „Hauptarten“ (D. alpinum, D. complanatum, D. tristachyum) drei „Zwischenarten“ (D. issleri, D. oellgaardii, D. zeilleri) vermutlich homoploid-hybridogenen Ursprungs gibt, die in ihrer Morphologie jeweils zwischen zwei Hauptarten vermitteln. Lange Zeit herrschte über die Entstehung und taxonomische Stellung dieser Zwischensippen, insbesondere von D. issleri, Uneinigkeit (vgl. HORN 1997). Bisherige Untersuchungen deuten stark darauf hin, dass D. issleri hybridogen aus D. alpinum und D. complanatum, und D. zeilleri aus D. complanatum und D. tristachyum hervorgegangen sind. Das erst kürzlich beschriebene D. oellgaardii ist eine Hybridsippe zwischen D. alpinum und D. tristachyum (STOOR et al. 1996). Gerade die „Zwischenarten“ sind besonders schwierig anzusprechen, da sie sich in Abhängigkeit vom Standort (insbesondere der Lichtfaktor spielt eine Rolle) bald der einen und bald der anderen Elternart annähern oder bisweilen sogar weitgehend angleichen können.


Achtung.png Techn. Hinweis 1: Im folgenden Schlüssel werden unterschieden: DorsalB (= LaubB der Spross­oberseite), VentralB (= LaubB der Sprossunterseite) u. LateralB (= seitliche LaubB). Der diagnostisch wichtigste Merkmalskomplex, der auch eine Bestimmung steriler Pflanzen erlaubt, ist die Breite und Länge der Ventralblätter sowie deren Verhältnis zur Sprossbreite bzw. zur Internodienlänge (als "Internodium" wird hier der Abstand zwischen zwei Ventralblättern, gemessen von Blattspitze zu Blattspitze, verstanden)! → Abb. 1.
Achtung.png Techn. Hinweis 2: An jungen, diesjährigen Sprossabschnitten treffen die angegebenen Größen­verhältnisse infolge des noch nicht abgeschlossenen Längenwachstums oft nicht zu.
Achtung.png Techn. Hinweis 3: Da die Arten der Gattung Diphasiastrum nur schwer dichotom zu verschlüsseln sind, bringen wir zusätzlich eine Merkmalstabelle, in der die wichtigsten Merkmale der 6 Sippen einander gegenübergestellt sind.


Schlüssel der Arten

1 VentralB der sterilen Sprosse deutlich in zwei Abschnitte gegliedert: unterer stielartig u. fast rechtwinkelig von der Achse abstehend, oberer etwas breiter, eilanz., spreitenartig; „Stiel“ u. „Spreite“ miteinander einen deutlichen Winkel bildend, VentralB daher gekniet; LateralB stark zur Sprossunterseite umgebogen; DorsalB meist schwach abstehend.
Pf dicht büschelig, rosettenartig niederliegend; Kriechspross meist oberirdisch, seltener flach (wenige cm) unterirdisch; veg. Sprosse 1,5–2,5(–3) mm br, grau- bis blaugrün, unterseits meist deutlich bereift, im Ø rundlich bis vierkantig, anisophyll beblättert u. schwach dorsiventral; LateralB abstehend, mit zur Achse hin eingekrümmter Spitze, auf dem Rücken mit scharfkantigem, lang u. schmal herablaufendem Kiel; DorsalB elliptisch bis breit-lanz., etwa so breit wie die LateralB; VentralB lanz., 0,7–1 mm br, ca. so lang od. länger als die Internodien; Sporophyllstände ungestielt (selten bis 1 cm lg gestielt), meist einzeln, (0,6–)0,8–1,5(–2) cm lg.
D. alpinum
 
VentralB der sterilen Sprosse ungegliedert, am Grund od. (bei D. oellgaardii) etwas über dem Grund am breitesten, anliegend od. schwach abstehend; LateralB nicht od. nur schwach zur Sprossunterseite umgebogen; DorsalB anliegend.
Sprosse im Ø abgeflacht bis rundlich; VentralB 0,2–0,7(0,8) mm br; Sporophyllstände 0–12 cm lg gestielt.
2


2 LateralB mit deutlich zur Sprossunterseite umgebogenem Rückenkiel; Sporophyllstände 0–2,5 cm lg gestielt, einzeln od. zu 2(–3).
Kriechspross oberirdisch od. flach (wenige cm) unterirdisch; LateralB von der Achse schwach abstehend, mit sichelförmig eingekrümmter Spitze; VentralB 0,4–0,7(–0,8) mm br, anliegend bis schwach abstehend; DorsalB lanz.
3
 
LateralB mit nicht od. nur schwach zur Sprossunterseite umgebogenem Rückenkiel (jedoch oft mit zur Sprossunterseite gekrümmter Spitze); Sporophyllstände (1,5–)2–12 cm lg gestielt, in der Regel zu 2–4(–10).
LateralB der Achse anliegend bis schwach abstehend, VentralB 0,2–0,5 mm br, anliegend; DorsalB lanz. bis schmal-lanz.
4


3 VentralB dreieckig, am Grund am breitesten, dort 1/4–1/3× so br wie der gesamte Spross, etwa 2/3× so lang wie die Internodien, den Ansatz des nächsten Ventralblatts nicht überragend.
Pf locker u. langästig verzweigt, rosettenartig niederliegend bis aufsteigend; veg. Sprosse (1,5–)2–3(–3,5) mm br, graugrün, unterseits schwach bis deutlich bereift, im Ø schwach abgeflacht bis dreikantig, deutlich anisophyll beblättert u. dorsiventral; DorsalB etwa 2/3× so breit wie die LateralB; VentralB anliegend bis schwach abstehend; Sporophyllstände (1–)1,5–2,5(–3) cm lg.
D. issleri
 
VentralB lanz., etwas über dem Grund am breitesten, an der breitesten Stelle mehr als 1/3× so br wie der gesamte Spross, etwa gleich lang wie die Internodien, den Ansatz des nächsten Ventralblattes oft überragend.
Pf trichterförmig, relativ dicht büschelig, rosettenartig niederliegend bis aufsteigend; veg. Sprosse (1,2–)1,5–2(–3) mm br, grau- bis blaugrün, unterseits meist deutlich bereift, im Ø schwach abgeflacht od. dreikantig od. selten rundlich, schwach anisophyll (an den Triebspitzen fast isophyll) beblättert u. schwach dorsiventral; LateralB leicht abstehend bis anliegend, mit sichelartig eingekrümmter Spitze, auf dem Rücken mit scharfkantigem etwa bis zur Mitte herablaufendem Kiel; DorsalB etwa so breit wie die LateralB; VentralB anliegend; Sporophyllstände (1–)1,5–3(–3,5) cm lg.
D. oellgaardii


4 (2) VentralB am Grund 1/6–1/5× so br wie der gesamte Spross u. etwa 1/5–1/3× so lg wie die Internodien; DorsalB 1/2–2/3× so br wie die LateralB.
Pf locker sparrig-fächerig verzweigt, aufsteigend bis aufrecht, teilweise auch kriechend; Kriechspross fast stets flach unterirdisch (1–5 cm), sehr selten oberirdisch (bes. auf skelletreichen Rohböden); veg. Sprosse (1,5–)2–4 mm br, gras- bis gelblichgrün, unterseits gelbgrün, nie bereift, stark abgeflacht, deutlich anisophyll beblättert, dorsiventral; LateralB abstehend, mit abaxialem, scharfkantigem Kiel, sehr lang u. breit herablaufend; VentralB anliegend bis schwach abstehend, den Ansatz des nächsten VentralB nicht erreichend; DorsalB lanz. bis schmal-lanz.; Sporophyllstände (1,5–)2–8(–12) cm lg gestielt, meist zu 2–4(–6), (1–)1,5–3 cm lg.
D. complanatum
 
VentralB am Grund 1/4–1/2× so br wie der gesamte Spross u. 1/3–1× so lg wie die Internodien; DorsalB etwa so breit od. breiter als die LateralB.
Kriechspross fast stets unterirdisch (1–15(–20) cm), sehr selten oberirdisch (bes. auf skelletreichen Rohböden); VentralB anliegend.
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5 VentralB am Grund 1/3–1/2× so br wie der gesamte Spross u. etwa gleich lang wie die Internodien, den Ansatz des nächsten VentralB erreichend od. leicht überragend; DorsalB breiter als die LateralB; LateralB eng anliegend, abaxial stumpf gekielt; Sprosse im Ø stumpf dreikantig bis rundlich, schwach anisophyll bis fast isophyll beblättert, kaum dorsiventral.
Pf trichterförmig, dicht büschelig, aufrecht; veg. Sprosse (1–)1,2–1,5(–1,6) mm br, grau- bis blaugrün, unterseits meist deutlich bereift; DorsalB lanz.; Sporophyllstände (3–)5–12 cm lg gestielt, meist zu 2–6(–10), 1,5–2,5 cm lg.
D. tristachyum
 
VentralB am Grund 1/4–1/3× so br wie der gesamte Spross u. 1/3–1/2× so lg wie die Internodien, den Ansatz des nächsten VentralB meist nicht erreichend; DorsalB etwa gleich breit wie die LateralB; LateralB locker anliegend bis schwach abstehend, abaxial scharfkantig gekielt; Sprosse im Ø abgeflacht, deutlich anisophyll beblättert, dorsiventral.
Pf locker verzweigt, in der Regel aufrecht; veg. Sprosse (1,3–)1,5–2,1(–2,4) mm br, graugrün, unterseits nicht bis schwach bereift; DorsalB schmal-lanz.; Sporophyllstände 6–12 cm lg gestielt, meist zu 2–4(–6), 1,5–2,5(–3) cm lg.
D. zeilleri


Diphasiastrum
Diphasiastrum.jpg
Systematik
Familie: Lycopodiaceae

Nomenklatur & Synonymie

Abbildungen:
Abb. 1






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